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Charme Zirndorfs besser nutzen
Bündnisgrüner Bürgermeisterkandidat Wolfram Schaa will einen Kurswechsel
  
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Unter drei Kandidaten können die Zirndorfer am 12. März 2006 ihren neuen Bürgermeister wählen. Wolfram Schaa von den Grünen stellt sein Programm unter das Motto „Kurswechsel für Zirndorf“ und will Alternativen zu den Bewerbern Thomas Zwingel (SPD) und Jürgen Grötsch (CSU) bieten.

ZIRNDORF — Wer mit Wolfram Schaa über die Zukunft der Bibertstadt spricht, hört immer wieder das Stichwort „Nachhaltigkeit“. Ein wenig abgenutzt sei der Begriff, aber eben passend, meint der 52-Jährige. Der grüne Stadtrat, der zum zweiten Mal für das kommunale Spitzenamt kandidiert, vermisst in seiner Heimatstadt weitsichtige Zukunftsplanung.

40 Hektar neue Gewerbeflächen und 30 Hektar Wohnbaugebiet bei Anwanden, worüber bei der momentanen Überarbeitung des Flächennutzungsplans nachgedacht wird: Schaa fällt dazu „unstrukturiert“ ein. Nicht nur werde der dörfliche Charakter des Ortes zerstört, es fehle auch jede Überlegung, wie diese Gebiete an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen werden könnten. „Das Wachstum ist eben nicht unendlich“, hält der Qualitätsmanager bei einem Fürther Betrieb fest.

Ende des Wachstums

Noch geht es Zirndorf im Vergleich zu Nachbarkommunen dank hoher Gewerbesteuereinnahmen gut, das führe zu einer „Euphorie“, die auf dem Irrglauben beruhe, dass es immer so weitergehe. Schaa fordert hingegen, die Reißleine zu ziehen und statt immer neuer Flächenausweisungen lieber Vorhandenes auszubauen.

Womit er beim Thema Sanierung des Zentrums ist. Hier habe die Stadt jahrelang geschlafen und müsse nun alle Kräfte darauf konzentrieren, einen attraktiveren Kern zu schaffen. „Wir müssen die Anziehungskraft des FunParks nutzen und die Menschen zum Verweilen bei uns einladen“, meint er. Der „Charme der Lage zwischen Stadt und Land“ sei ein Pfund, mit dem Zirndorf wuchern könne.

Solarstadt Zirndorf

Natürlich gehört auch ein urgrünes Thema zu Schaas Agenda. Seine Vision von Zirndorf ist die einer Solarstadt. Sowohl öffentliche wie auch private Dächer werden in der Bibertstadt kaum für die Sonnenenergiegewinnung genutzt. Als positives Beispiel sieht der Grüne den großen Nachbarn Fürth. Bürgersolaranlagen auf Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden sind in Zirndorf noch unbekannt. Schaa selbst wich daher für eine Investition in ein solches Projekt nach Nürnberg aus.

Die 15 000 Euro, die die Stadtwerke Zirndorf jährlich vorhalten, um private Solaranlagen zu unterstützen, bleiben, so der grüne Stadtrat, teils liegen, weil niemand in der Stadt für diese Möglichkeit der Förderung werbe. Eine Diskussion über ökologisches Bauen, das beispielsweise Solarnutzung vorschreibe, vermisst er im Stadtrat völlig.

Genauso übten sich die übrigen Stadträte im „Däumchendrehen“, wenn es um den öffentlichen Personennahverkehr geht. „Wir warten auf die U-Bahn“, schildert der grüne Kandidat die Haltung seiner Stadtratskollegen. Dabei stehe es in den Sternen, ob das viele Millionen teure Projekt jemals kommt, meint er. Schaa setzt auf die Reaktivierung der Bibertbahn, deren Trasse daher keinesfalls durch die Westspange verbaut werden sollte. Ein Straßenbauprojekt, das der 51-Jährige mit seiner grünen Mitstreiterin im Stadtrat, Kerstin Führes, abgelehnt hat.

Dass er bestenfalls eine Außenseiterchance im Zirndorfs Wahlkampf um das Bürgermeisteramt hat, weiß Schaa. Auf mehr Stimmen als bei seinem ersten Anlauf vor fünf Jahren hofft er allerdings. Damals war er noch weitgehend unbekannt in Zirndorf, hatte noch kein Stadtratsmandat.

Keine Spaßkandidatur

Eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten der SPD und CSU, meint er, wäre ein Erfolg. Ab Januar möchte Schaa im Wahlkampf richtig durchstarten. Unterstützt wird er dabei von einem Wahlverein, in dem sich Sympathisanten zusammengeschlossen haben, und dem Kreisverband der Grünen. „Es ist keinesfalls eine Spaßkandidatur“, betont er, mit dem Kurswechsel für Zirndorf ist es ihm durchaus ernst.

BEATE DIETZ
25.11.2005 0:00 MEZ
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