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| | Es ist an der Zeit, die Reißleine zu ziehen | | Der grüne Bürgermeisterkandidat Wolfram Schaa fordert einen Kurswechsel für Zirndorf | | |
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ZIRNDORF — Auch die dritte im Stadtrat vertretene Partei schickt einen Bewerber in das Rennen um den Chefposten im Rathaus: Ohne Gegenstimmen haben die Grünen Wolfram Schaa, 52, technischer Angestellter und Vater zweier erwachsener Kinder, als Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2006 nominiert. Schaa bewirbt sich zum zweiten Mal für den kommunalpolitischen Spitzenposten.
Vergleicht Schaa sein aktuelles Wahlprogramm mit den Zielen, mit denen er vor fünf Jahren in den Wahlkampf zog, stellt er in mehr als der Hälfte der Punkte Übereinstimmung fest. Für ihn eine ernüchternde Bilanz: Es hat sich nichts bewegt und das ärgert mich. 3,91 Prozent der Stimmen holte der grüne Kandidat bei der letzten Bürgermeisterwahl, ein Ergebnis, das nicht einmal als Achtungserfolg zu werten war. Zirndorf wählte zwischen den Kandidaten des bürgerlichen Lagers, setzte auf Bekanntes und votierte mit satten 72,6 Prozent für den amtierenden Gert Kohl.
Na ja, ich war damals noch relativ unbekannt, sagt Schaa heute. Mittlerweile sitzt er seit 2002 im Stadtrat. Ich habe viel dazugelernt. Die zu Beginn der Legislaturperiode etwas langatmigen Statements sind kurz und prägnant geworden. In ihnen formuliert Schaa konsequent ökologische Positionen - offensichtlich zum Leidwesen der anderen Fraktionen. Aus ihren Reihen ist immer wieder Stöhnen zu hören, setzen Schaa oder seine Kollegin Kerstin Führes an, um die Fokussierung auf den Individualverkehr, ergo den Straßenbau, anzuprangern und stattdessen dafür zu werben, der Reaktivierung der Bibertbahn zumindest eine Chance zu geben. Stöhnen allenthalben auch, wenn Grün etwa die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten bei Anwanden als planlos verurteilt oder einmal mehr den Sachstandsbericht zum städtischen Energiemanagement einfordert.
Chance für grüne Themen
Deshalb will es sich Schaa nicht entgehen lassen, als Bürgermeisterkandidat grüne Themen in den Wahlkampf einzubringen. Seinem Programm-Entwurf stellt er ein Zitat Hermann Hesses voran: Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden. Schaas Wunschergebnis wäre zweistellig. Das wär Klasse, sagt er, doch ich bin Realist, fünf plus x, das könnte ich schaffen.
In seinem Programm fordert Schaa einen Kurswechsel in der Bibertstadt. Für eine Stadt, die selbst in wirtschaftlich schlechten Zeiten prosperiert wie keine andere im Landkreis Fürth, kommt das einer Provokation gleich. Für Schaa indes ist es eine Frage der Perspektive: Man hat hier lange gewartet, um die Stadt zu entwickeln. Jetzt springt man auf einen Zug auf, aus dem andere Kommunen längst wieder ausgestiegen sind, weil sie gemerkt haben, dass sie es sich langfristig gar nicht mehr leisten können, beispielsweise ewig viele Straßen zu unterhalten.
Zu sprunghaft, zu massiv ist Schaa die Entscheidungsfreude, die die Kommunalpolitik Zirndorfs an den Tag legt: Es ist an der Zeit, dass jemand die Reißleine zieht. Kurswechsel heißt für Schaa, die Zeichen der Zeit zu erkennen und die Zukunft mit Maß und Ziel zu gestalten. Mehr Weitsicht und eine stärkere Gewichtung des Aspekts der Nachhaltigkeit fordert er, gleich ob in der Siedlungsentwicklung oder im öffentlichen Personennahverkehr.
Schaa ist einer, der lebt, was er vertritt, der lieber das Fahrrad nimmt, wenn es sich einrichten lässt, das Auto auf Pflanzenöl umgerüstet hat und auf der Sonnenseite seines Hausdaches Strom und Warmwasser erzeugt. Als Pragmatiker charakterisiert er sich selbst, der lieber den Kompromiss sucht, um ein Stück weiterzukommen, statt gar nichts zu erreichen. Der Super-Gau in Tschernobyl hat den damaligen Vater zweier Kleinkinder veranlasst, sich der Ökopartei anzuschließen.
Seine Stärke macht Schaa im Umgang mit Menschen aus. Das hat er bei Grundig gelernt, wo er nach einer Ausbildung zum Elektroniker diverse Aufgabenfelder durchlief und zum Allrounder wurde. Heute ist Schaa bei dem Fürther Dialysegeräte-Hersteller GFI-Deltronix als Abteilungsleiter zuständig für Qualitätssicherung und -management sowie Service und Support. Und so sieht er sein politisches Engagement auch durch die Brille modernen Projektmanagements, in dem Kommunikation, Konstruktivität und Aufeinanderzugehen Prämissen für den Erfolg seien. SABINE DIETZ
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| 30.9.2005 0:00 MEZ |
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